Krieg In Deutschland – Wie Sie sich vorbereiten

Krieg in Deutschland

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 07. Mai 2024 aktualisiert

Wie wahrscheinlich ist ein Krieg in Deutschland überhaupt?

Ein Krieg in Deutschland ist ein Thema über das viel geredet wird und welches, spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, viele Menschen beschäftigt. Doch die Wahrscheinlichkeit eines Krieges auf deutschem Territorium ist sehr gering. Deutschland ist ein Mitglied der NATO, einer militärischen Allianz von 32 Ländern und deren Regierungen sowie der Europäischen Union. Die Mitglieder beider Bündnisse haben vereinbart, sich gegenseitig zu helfen, wenn ein Mitgliedsstaat angegriffen wird. Beide Allianzen zielen außerdem darauf ab, Konflikte durch diplomatische Mittel zu lösen.

Dennoch merken wir, dass auch ein Krieg in der Nähe Auswirkungen auf unseren Alltag hat. Und Aussagen des russischen Präsidenten Putin, welche auch als Drohung gegen Deutschland verstanden werden können1https://www.tagesschau.de, zeigen einmal mehr, dass auch ein Verteidigungsfall auf deutschem Staatsgebiet, also ein Krieg in Deutschland, nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann.

Wie gut ist Deutschland auf einen Krieg vorbereitet?

Die deutschen Streitkräfte allein wären wohl nicht gut auf einen militärischen Angriff vorbereitet. Man verlässt sich hier vor allem auf den Beistand der EU und der NATO-Staaten. Allerdings wird mit Hochdruck daran gearbeitet, als Staat besser für einen Krieg in Deutschland aufgestellt und vorbereitet zu sein. Einen Einblick in die Aufstellung der Bundeswehr bietet ihr Kernauftrag2https://www.bundeswehr.de3https://www.bundeswehr.de.

Seit dem Frühjahr 2022 erarbeitete die Bundesregierung zusammen mit einer Reihe von Experten eine neue, nationalen Sicherheitsstrategie4https://www.bmi.bund.de. Das Strategiepapier wurde 2023 fertiggestellt und ist hier zu finden.

Wie wird die Bevölkerung im Verteidigungsfall geschützt?

Während der Katastrophenschutz in Deutschland vor allem Ländersache ist, ist der Schutz der Bevölkerung im Kriegsfall die Aufgabe des Bundes. Als Basis für alle Maßnahmen, mit denen der Bund den Schutz der Bevölkerung sicherstellt gilt die „Konzeption Zivile Verteidigung (KZV)“5https://www.bmi.bund.de, welche die Aufgaben und Ziele des Bundes beim Schutz der Bevölkerung definiert. Wichtig zu wissen: im Bereich Zivilschutz baut das Konzept des Bundes auf der Fähigkeit der Bevölkerung auf, sich eine Zeit lang selbst zu schützen – Stichwort: private Vorsorge.

Darüber hinaus gibt es ein staatliches Hilfeleistungssystem, das im Kriegsfall zum Einsatz kommt und dessen Hauptaufgaben darin bestehen, das Überleben der Bevölkerung zu sichern und für den Erhalt überlebenswichtiger Einrichtungen und Anlagen zu sorgen.

Verantwortlich für den Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall ist das 2004 gegründete Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge (BBK)6https://www.bbk.bund.de. In ihrem „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“7https://www.bbk.bunde.de wird ein Krieg in Deutschland zwar nicht direkt behandelt, jedoch allgemein dazu aufgerufen, Vorsorgemaßnahmen zu treffen und – wie es das Zivilschutz-Konzept des Bundes vorsieht – dafür zu sorgen, sich im Ernstfall bis zu 10 Tage selbst versorgen zu können.

Sehr viel deutlicher geht zum Beispiel Schweden mit dem Thema Krieg im eigenen Land um. So wurde 2018 eine Info-Broschüre für den „Kriegs- und Krisenfall“ an alle Haushalte versendet8https://www.msb.se. Auf 20 Seiten findet sich darin eine Liste von Lebensmitteln mit denen ein Notvorrat angelegt werden soll. Außerdem erfährt die Bevölkerung, wie die Sirenen bei einem Bombenalarm klingen oder wo geeignete Schutzräume zur Verfügung stehen. Das Verhalten im Verteidigungsfall ist Thema im Schulunterricht und neben der Allgemeinen Wehrpflicht gibt es hier auch eine Allgemeine „Dienstpflicht“, die jeden Schweden zwischen 16 und 70 Jahren zur Mithilfe bei der Verteidigung des Landes verpflichtet.9https://www.tagesschau.de

Bei einem Krieg in Deutschland sollen sich die Bürger selbst helfen können

In der „Konzeption Zivile Verteidigung (KZV)“10https://www.bmi.bund.de, welche die Aufgaben und Ziele des Bundes beim Schutz der Zivilbevölkerung definiert, heißt es, dass der Selbstschutz, also die Fähigkeiten der Bürger, sich im Bedrohungsfall selbst zu helfen, ausgebaut werden soll. Die Bevölkerung soll demnach flächendenkend über folgende Grundkenntnisse bzw. Grundfähigkeiten verfügen:

Damit Sie sich selbst (und andere) schützen können wenn es zu einem Krieg in Deutschland kommen sollte, haben wir zehn Maßnahmen aufgelistet, mit denen Sie gut vorbereitet sind:

Wie kann ich mich auf einen Krieg in Deutschland vorbereiten?

Schutzräume kennen

Es ist wichtig zu wissen, wo man im Bedrohungsfall Schutz findet. In der näheren Umgebung können das gut befestigte Bauten oder Gebäude sein, die häufig von Angriffen verschont werden, U-Bahn-Anlagen, Tiefgaragen, Krankenhäuser oder Schulen. Auch der Keller im eigenen Haus oder ein Raum in der eigenen Wohnung ist ein Möglichkeit. Der Unterschlupf sollte möglichst keine Fenster haben, da diese durch die Druckwelle einer Explosion splittern und Verletzungen verursachen können. Grundsätzlich gilt: je robuster die Bausubstanz und je tiefer in der Erde, desto mehr Schutz bietet ein Raum.

Öffentliche Luftschutzbunker stehen, im Gegensatz zu anderen Staaten, in Deutschland quasi nicht mehr zur Verfügung, da sie nach Ende des Kalten Krieges systematisch zurückgebaut oder umfunktioniert wurden. Der Rückbau wurde 2022 jedoch gestoppt.

Fluchtrucksack

Neben dem Grundvorrat im Haus wird unter anderem auch vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfohlen, ein Notgepäck zusammen zu stellen. Das Notgepäck ist auch bekannt als Notfallrucksack, Fluchtrucksack oder Bug-Out-Bag. Dieser Fluchtrucksack sollte jederzeit gepackt und griffbereit sein. Im Falle einer Evakuierung hat man so das Nötigste dabei, um die ersten Tage zurecht zu kommen. Ein solches Notgepäck ist nicht nur eine gute Vorbereitung für einen Kriegsfall, sondern für jede Situation, in der das Haus verlassen werden muss, wie zum Beispiel bei einer Überschwemmung oder bei einem Brand. Pro Familienmitglied sollte nicht mehr mitgenommen werden, als in einen Rucksack passt.

Warnzeichen kennen

Bei einem Krieg in Deutschland wird die Bevölkerung auf verschiedenen Wegen gleichzeitig vor einer Gefahr gewarnt. Auf dem Handy können Warnung mit der Warn-App des Bundes, NINA sowie über die Cell Broadcast-Technik empfangen werden. Online informiert das BBK unter https://warnung.bund.de und auf Twitter. Draußen wird auf digitalen Stadtinformationstafeln, auf Fahrgastinformationstafeln zum Beispiel in Bahnhöfen und an Haltestellen und auch per Lautsprecherwagen informiert. Natürlich informieren auch regionale TV- und Radiosender bei Gefahrensituationen.

Diese Warntechniken enthalten schon die nötigsten Informationen und sind für jeden gut verständlich. Anders sieht es mit einer Warnung über Sirenen aus. Derzeit wird das Sirenennetz wieder ausgebaut und viele Städte und Kommunen verfügen noch oder wieder über ein solches Warnsystem. Allerdings wissen viele Menschen nicht, wie ein Sirenenton klingt, der vor einer Gefahr warnt. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn die Signale sind nicht einheitlich geregelt und können sich von Kommune zu Kommune unterscheiden – es ist deshalb sinnvoll, sich zu informieren, mit welchem Signal in Ihrer Umgebung gewarnt und entwarnt wird. Sehr häufig kündigt ein 1-minütiger Heulton eine Gefahr an, während ein 1-minütiger gleichbleibender Ton die Entwarnung gibt.

Kurbelradio

In einem Ernstfall sind Informationen extrem wichtig. Man sollte sicherstellen, dass man immer die Möglichkeit hat, aktuelle Informationen empfangen zu können, auch wenn der Strom ausfällt oder das Internet nicht funktioniert. Die wahrscheinlich krisensicherste Möglichkeit hierfür ist das Kurbelradio, das den Strom im Notfall durch Muskelkraft bezieht.

Grundvorrat anlegen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, nicht nur für den Verteidigungsfall, sondern auch als Vorsorge für viel wahrscheinlichere Krisen und Katastrophen, wie Unwetter, Überschwemmung oder Epedimie einen Grundvorrat an Lebensmitteln, Wasser, Hygieneartikeln und medizinischer Ausrüstung anzulegen bevor es zu einer Gefahrensituation kommt.

Ist ein Ernstfall eingetreten kann es sein, dass eine Grundversorgung nicht mehr möglich ist. Zum Beispiel wenn das Haus nicht verlassen werden kann, Geschäfte geschlossen sind oder wenn wichtige Waren und Ausrüstungsgegenstände aufgrund der plötzlich hohen Nachfrage nicht mehr verfügbar sind.

Drei Checklisten für das Anlegen eines Grundvorrats finden Sie hier: 10-Tage Notvorrat (BBK)

Erste Hilfe

Die wahrscheinlich wichtigste Grundregel im Ernstfall ist, aufeinander zu achten und sich gegenseitig zu helfen. Dazu gehört auch die medizinische Erstversorgung. Erste Hilfe leisten zu können kann in einer Notsituation nicht nur die eigene Gesundheit retten, sondern auch anderen helfen. Erste-Hilfe-Kurse werden deutschlandweit von Rettungsorganisationen, wie dem Roten Kreuz oder den Maltesern angeboten.

Bargeldreserve

Bei einem Krieg in Deutschland ist auch ein langfristiger Stromausfall wahrscheinlich. In diesem Fall funktionieren weder Geldautomaten noch Kartenlesegeräte. Es ist deshalb ratsam eine kleine Bargeldreserve anzulegen.

Brandschutz

In einem Verteidigungsfall kann es schnell zu Bränden kommen. Das eigene Zuhause durch die richtige Vorsorge zu schützen und zu wissen, wie man sich im Falle eines Feuers richtig verhält ist eine wertvolle Fähigkeit in einem solchen Fall. Im Beitrag Feuer – Was tun, wenn’s brennt? finden Sie alle wichtigen Informationen zu diesem Thema.

CBRN

CBRN steht für chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear. Eine frühere Bezeichnung, die noch viele Menschen kennen ist ABC (atomar, biologisch, chemisch). Beide Abkürzungen stehen für Gefahrenstoffe, deren Freisetzung lebensgefährlich sein kann.

Bei einem Krieg in Deutschland können Stoffe dieser vier Kategorien entweder direkt durch deren Verwendung in Waffen oder indirekt, zum Beispiel durch die Beschädigung eines Chemie- oder Kraftwerks, freigesetzt werden. Wie man sich in einer solchen Situation richtig verhält und wie man für einen solchen Fall vorsorgen kann wird in unserem Beitrag CBRN – Bedrohung durch Gefahrenstoffe beschrieben.

Auf einen Stromausfall vorbereitet sein

Die konstante Versorgung der Haushalte mit Strom ist in einem Krieg höchstwahrscheinlich nicht gewährleistet. Gerade in der kalten Jahreszeit kann das zu Problemen führen, denn viele Heizungen sowie elektronische Geräte funktionieren dann nicht. Welche Vorbereitungen sinnvoll sein können um eine solche Situation zu meistern ist im Beitrag Blackout – Was tun bei Stromausfall? beschrieben.

Wie überlebe ich einen Krieg?

Folgende vier Verhaltensregeln helfen, einen Angriff gut zu überstehen. Denken Sie dabei nicht nur an sich selbst, sondern auch an die Menschen um sich:

1. Suchen Sie Schutz

2. Helfen Sie anderen, vor allem Kindern und Personen mit Einschränkungen

3. Folgen Sie den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte

4. Stellen Sie sicher, dass Sie Informationen empfangen und regelmäßig verfolgen. Achten Sie dabei sehr gut darauf, dass die Informationen ausschließlich aus verlässlichen Quellen, wie Behörden kommen.

Quellenverzeichnis